„Systemsprenger sind Jugendliche, die schon durch mehrere Jugendhilfemaßnahmen erfolglos gelaufen sind. Häufig haben sie eine psychiatrische Erkrankung und sind immer wieder durch das Thema der Obdachlosigkeit bedroht. In Gruppen sind sie aufgrund gestörter Verhaltensmuster nicht integrierbar.“

Jugendliche, die zu dem Milieu der „schwierigen“ gehören, haben häufig schon mehrere Jugendhilfeangebote ohne Erfolg durchlaufen. Kein Angebot konnte die verstörten Verhaltensmuster beheben und/oder den Jugendlichen auf ein solides Maß stabilisieren. Häufig sind die Jugendlichen schon früh mit dem Thema der Obdachlosigkeit konfrontiert gewesen und/oder haben häufig damit zu tun, auf eine geeignete Jugendhilfemaßnahme zu warten bzw. einen Jugendhilfeträger zu finden, der ein passendes Angebot zur Verfügung stellt: Es gibt schlicht kein geeignetes Angebot, das dem Jugendlichen ein tägliches Dach über dem Kopf gewährleisten kann.

Vorangegangene Jugendhilfemaßnahmen sind auch gescheitert, weil der Jugendliche nicht in der Lage war, sich an die Trägerregeln zu halten. Häufig zählen zu den Regelverstößen der Missbrauch von Drogen, das ständige unangemeldete Fernbleiben der Einrichtung und/oder die mangelnde Integrierbarkeit in Gruppen.

Für einige der Systemsprenger wurden niedrigschwellige BEW`s mit einem hohen Grad an Beziehungsarbeit und Schaffung von kleineren Tagesstrukturen angeboten. Das beschriebene Klientel ist jedoch mit den betreuungsfreien Zeiten und dem Halten der eigenen Wohnung in hohem Maße überfordert. Die Wohnungen verwahrlosen und jegliche Versuche zur Verinnerlichung von Hygiene und Sauberkeit scheitern. Wohnungsgestände werden durch die Jugendlichen bis zur Unbrauchbarkeit heruntergewirtschaftet und oder zerstört. Zudem gibt es häufig unangemeldeten Besuch von anderen Freunden, welche häufig (ebenfalls) von Obdachlosigkeit bedroht sind oder in dieser leben. Systemsprenger sind in der Regel nicht in der Lage, ihr Geld einzuteilen. Gemeinsame Lebensmitteleinkäufe mit den Betreuern sind nur punktuell möglich. Eine stabile Verantwortung, sich selber mit Lebensmitteln zu versorgen ist nicht kontinuierlich vorhanden.

Die Beschwerden der Nachbarn im Haus lassen häufig nicht lange auf sich warten, welche in der Regel auch zügig an die Hausverwaltung weitergetragen werden. Die nötige Einsicht für ein Fehlverhalten ist bei den Jugendlichen häufig nur punktuell vorhanden. Für den Träger, welcher als Hauptmieter der Wohnung gemeldet ist besteht dann die Gefahr, die Wohnung zu verlieren.
Der zuständige Träger ist in der Regel bei dem Format der „Schwierigen“ im Rahmen eines BEW nur damit beschäftigt, pädagogisch reflektierende Gespräche mit dem Jugendlichen zu führen, die zum Ziel haben, ein gewisses Maß an Verantwortung bei dem Jugendlichen hervorzurufen. In der Regel scheitern diese Gespräche jedoch, oder führen zu einer nur kurzzeitigen Besserung. In der Betreuungsarbeit entsteht so für den Jugendlichen ein Leidensdruck im Zusammenhang mit der Führung des eigenen Haushaltes. Die gewährleistete Jugendhilfe ist damit entweder eher damit beschäftigt, einem mit der Führung des eigenen Haushaltes mehr als überforderten Jugendlichen immer wieder hierauf aufmerksam zu machen und dieses Thema zum Gespräch zu machen, oder aber er lässt bei dem Jugendlichen ein gewisses Maß an Verwahrlosung zu und riskiert damit den Verlust der Wohnung für den Träger. Insgesamt ist zu beobachten, dass die Jugendlichen aus dem Trebegänger Milieu in den Bereichen von Tagesstruktur i.V.m. der Schaffung eines Schulprojektes- ebenfalls überfordert sind und aufgrund einer nur sehr niedrigen Stress- und Frustrationstoleranz kaum ihren Alltag in vorgegebene Strukturen bringen lassen. Bei Trebegängern ist der Missbrauch von verhältnismäßig leichten illegalen Drogen normal. Die Einnahme von härten illegalen Drogen ist bei einigen hin und wieder der Fall.

Zu beobachten ist, dass die zum beschriebenen Systemsprenger-Milieu gehörenden Jugendlichen häufig in Subkulturen unterwegs sind. Trotz der Zugehörigkeit an Subkulturen sind Einzelgänger nicht unüblich. In jedem Fall zeigen sie eine Neigung dazu, in Parallelgesellschaften zu leben und keinen Anschluss an gesellschaftliche Maßstäbe zu finden.
Eine solide Gesundheitsfürsorge ist ebenfalls nur kaum vorhanden. Systemsprenger leiden häufig unter gesundheitlichen Problemen wie Zahnschmerzen, ungesunder und nicht regelmäßiger Ernährung.
Die bisher sichtbar angenommenen Hilfsangebote der schwierigen Jugendlichen, sind in der Regel Angebote der Straßensozialarbeit und / oder Beziehungsangebote von Sozialarbeitern aus Einrichtungen mit offenen Jugendangeboten ohne das Eingreifen in persönliche Lebenssituationen.

Das Klientel sucht die Beziehung zu Sozialpädagogen und nehmen deren ausschließliche Beziehungsangebote an.
Die bisher geltenden Angebote der Jugendhilfe für Systemsprenger bedeuten immer wieder auch eine Konfrontation zwischen Lebenswelt des Jugendlichen und Anspruch des Trägers an die Jugendhilfestrukturen.
Systemsprenger sind jedoch – aufgrund genannter Lebensverhältnisse und internalisierter Überlebensstrategien – häufig nicht in der Lage, sich in ein stationäres Setting zu begeben. Immer wieder werden die Jugendlichen durch eine ambulante Hilfe auf der Straße betreut. Die Jugendlichen geben an, ständig bei Freunden oder auf ähnliche Weise unterzukommen. Eine latente Gefahr, dass minderjährige Jugendliche auf der Straße übernachten ist jedoch immer gegeben, weil sie keinen festen Wohnsitz bzw. Bleibe haben. Die Strukturen von bisher geltenden stationären Hilfen sind zu komplex für den Jugendlichen. Auch eine Überforderung bei niedrigschwelligen Angeboten im Rahmen eines BEW ist zu erwarten. Der Wunsch nach einer eigenen Wohnung ist bei den Jugendlichen jedoch hoch. Der Motivationsgrad vor einer beginnenden Jugendhilfe, beispielsweise einem niedrigschwelligen BEW Angebot ist enorm. Die tatsächliche Umsetzung und Einhaltung von BEW-Strukturen ist jedoch nur kaum umsetzbar.